Anforderungen an sichere Luftfracht-Prozesse steigen: ACD erwartet weiteren Boom in Pharmalogistik


Frankfurt am Main, 23. März 2018 – Die weltweite Nachfrage nach zuverlässigen Luftfrachtlösungen für die Pharmaindustrie wird weiter wachsen. Das berichteten führende Vertreter aus Luftfracht- und Pharmaindustrie beim aktuellen Treffen des Aircargo Club Deutschland (ACD) in Frankfurt am Main. „Wir brauchen aber einen besseren Dialog zwischen Luftfracht- und Pharmaunternehmen, um mehr Transparenz und eine noch effizientere Symbiose zwischen beiden Branchen zu erreichen“, sagte Prof. Christopher W. Stoller, Präsident des ACD. Die Notwendigkeit von mehr Transparenz in der Lieferkette und weiter zunehmender Kostendruck stellen die Luftfrachtbranche dabei vor enorme Herausforderungen.

Bis 2022 wird erwartet, dass der internationale Pharmamarkt jedes Jahr um durchschnittlich 6,3 % wachsen wird und damit das Geschäft mit der Logistik. Viele pharmazeutische Produkte sind hochgradig temperatursensibel und erfordern eine lückenlose Kühlkette. „Dazu braucht man die richtigen Leute, IT-Systeme, Abläufe und Technologien”, sagte Martin Gouda, Partner der niederländischen Unternehmensberatung Buck Consultants. Dies sei aber noch nicht immer der Fall. Die Optimierung der Logistiknetzwerke für Pharmaprodukte sei deshalb dringend erforderlich.

Denn noch immer verursachen Fehler in den Lieferketten, nicht ausreichende Infrastruktur oder fehlende Ausbildung der Mitarbeiter jedes Jahr Schäden in Milliardenhöhe. Und dies nicht nur in Schwellen- und Entwicklungsländern: Branchen-Insider berichteten von einer tonnenschweren Lieferung von Serum aus Europa an einen mittelgroßen Flughafen in den USA, die auf dem Vorfeld buchstäblich verrottete, weil keine gekühlten Lagerhallen vorhanden waren. Die gesamte Lieferung wurde unbrauchbar. Pharma-Vertreter schilderten ihre Erfahrungen mit fehlenden Standards, ungenügenden Tracking- und Monitoring-Lösungen bei Luftfracht, und den Problemen mit Schuldnachweisen und dadurch steigenden Versicherungsprämien. „Die Schnittstellen sind oft das Problem. Es gibt viele Strecken, da fehlt einfach die Infrastruktur und dort sind aktive Kühlcontainer die einzige Lösung“, berichtete Andreas Seitz, Geschäftsführer von DoKaSch Temperature Solutions, aus der Praxis.

Der internationale Luftfahrtverband IATA will mit der neuen Zertifizierungen CEIV-Pharma die Prozesse sowie die Ausbildung von Mitarbeitern in der Pharmalogistik vereinheitlichen. „Die Probleme treten oft nicht bei der eigentlichen Luftfracht auf, sondern auf dem Vorfeld oder im Lager. Hier wollen wir für die gesamte Transportkette bei Pharmaprodukten einheitliche Standards durchsetzen“, sagte Beverly Seebach, Cargo Manager Europe bei IATA.

Der Flughafen Frankfurt als Europas größtes Drehkreuz für Pharmatransporte per Flugzeug sieht sich für weiteres Wachstum gut aufgestellt. „Frankfurt ist heute der Pharmahub Nummer 1 in Europa“, sagte Joachim von Winning, Executive Director der Air Cargo Community Frankfurt. Allein mehr als 100.000 Tonnen Pharmaprodukte werden dort jedes Jahr umgeschlagen, Tendenz steigend. Das Perishable Center am führenden Airport Deutschlands verfügt über 9.000 Quadratmeter Fläche. Aber eine derartig moderne Infrastruktur für temperaturempfindliche Pharmaprodukte ist international noch immer eher die Ausnahme.